Die In-vitro-Fertilisation, kurz IVF, steht im lateinisch für „Befruchtung im Glas“ und ist eine in Deutschland erlaubte Methode zur künstlichen Befruchtung. Wie der Name und auch die Übersetzung zeigt, findet die Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle außerhalb des Mutterleibes statt. Nach der Befruchtung werden die befruchteten Eizellen dann wieder in den Gebärmutter eingesetzt.

Die In-vitro-Fertilisation durchläuft verschiedene Schritte. Angefangen wird dabei mit der Gewinnung der Eizellen und Spermien, die für eine künstliche Befruchtung benötigt werden.

Schritt 1: Gewinnung der Eizellen und Spermien

Mithilfe einer hormonellen Behandlung soll erreicht werden, dass möglichst viele Eizellen in der Frau heranreifen (Superovulation = überdurchschnittliche Eibildung). So werden beispielsweise bestimmte Medikamente GnRH-Analoga/-Agonisten, GnRH-Antagonisten oder Anti-Baby-Pille dafür verwendet, dass die Eigentätigkeit der Eierstöcke gedrosselt und damit eine Erhöhung der heranreifenden Eizellen bewirkt wird. Die anschließende Entnahme der Eizelle wird auch mit dem “unschönen” Wort “abernten” bezeichnet. Die “Abernte” der Eizellen erfolgt über eine Nadel durch die Scheide, mithilfe von einer Ultraschallkontrolle.

Damit eine Befruchtung der entnommenen Eizellen funktioniert, werden Spermien benötigt. Diese werden zumeist parallel zur Eizellenentnahme durch Masturbation oder einen mikrochirurgischen Eingriff (TESE) gewonnen. Die Spermien werden auf Anzahl, Form, Beweglichkeit und Infektionen überprüft.

Schritt 2: Befruchtung

Anschließend geht es an die Befruchtung. Man unterscheidet hier zwischen drei Arten der IVF. Die Erfolgsrate bei der Befruchtung liegt bei ca. 50% bis 70 %.

Klassische In-vitro-Fertilisation (IVF)
Bei der klassischen In-vitro- Fertilisation werden Eizellen und Spermien in einem Reagenzglas zusammengebracht. Es findet eine spontane Befruchtung statt.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Im Zuge der Spermiengewinnung werden Tests durchgeführt. Werden hier die gestörte Beweglichkeit der Spermien, Spermien-Antikörpern oder sehr niedriger Spermienanzahl im Ejakulat festgestellt, oder blieb eine Befruchtung bei der klassischen In-Vitro-Fertilisation aus, dann kann auf die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI, zurückgegriffen werden. Dieses Verfahren verläuft bis zur Befruchtung der Eizellen komplett gleich wie bei der klassischen In-vitro-Fertilisation ab. Die Befruchtung selbst überlässt man aber hier nicht nur den Spermien, sondern vielmehr wird ein einzelnes Spermium mittels eines Mikromanipulators direkt in die Eizelle platziert/injiziert . ICSI, auch Mikroinjektion genannt, ahmt somit den natürlichen Vorgang des Eindringens eines Spermiums in die Eizelle nach.
Damit steigt die Erfolgsrate bei einer Befruchtung mit „schlechtem“ Sperma auf fast die selbe Stufe wie bei einer klassischen IVF.

Eine Sonderform stellt die Intracytoplasmic Morphologically Selected-Sperm Injection (IMSI) dar, bei der das verwendete Spermium unter einem hochauflösenden Mikroskop anhand morphologischer Kriterien ausgesucht wird.

Testikuläre Spermien Extraktion mit ICSI (TESE-ICSI)
Dasselbe Vorgehen wie bei der ICSI, jedoch werden die Spermien nicht aus dem Ejakulat, sondern aus einer Hodenbiopsie gewonnen. Verwendung findet es bei einem Verschluss der ableitenden Samenwege.

Schritt 3: Embryotransfer

Wenn Ei und Samenzelle „verschmelzen“ entsteht ein Embryo. Der Embryo wird auch Keim oder der Keimling genannt und ist ein Lebewesen in der frühen Form der Entwicklung. Nach Ausbildung der inneren Organe – beim Menschen ab der neunten Schwangerschaftswoche – wird der Embryo als Fetus (auch Fötus geschrieben) bezeichnet. Bevor es aber soweit ist, muss der Embryo erst einmal in die Frau „eingepflanzt“ werden. Diesen Schritt nennt man „Embryonentransfer“. Beim Embryonentransfer werden optimalerweise 2 Embryonen in den Uterus transferiert. Aufgrund einer erhöhten Gefahr einer Mehrlingsschwangerschaft (Bei einer Mehrlingsschwangerschaft mit mehr als drei Föten besteht Gefahr sowohl für die körperliche (Eklampsie, Thrombo-Embolie) und seelische Gesundheit der Mutter, wie auch für die Kinder, da sie ein Geburtsgewicht von 1250g (Minimumgewicht für eine gute Prognose für die körperliche und geistige Gesundheit) mit hoher Wahrscheinlichkeit so nicht erreichen), dürfen pro IVF-Zyklus in Deutschland maximal drei Embryonen eingesetzt werden. Vor dem 35. Lebensjahr sollten im Allgemeinen nicht mehr als 2 Embryonen transferiert werden, da sonst das Risiko von Mehrlingen und einer damit verbundenen Risikoschwangerschaft hoch ist.

Der Embryonentransfer geschieht entweder am 2. Tag nach Befruchtung (4-Zell-Stadium) oder am 5. Tag nach Befruchtung (Blastozysten-Stadium).

Nun muss abgewartet werden und anschließend gibt der Schwangerschaftstest darüber Auskunft, ob es geklappt hat oder nicht. Die Erfolgsrate ein Kind auszutragen, liegt bei ungefähr 20%-40% und ist in hohem Maß vom Alter der Frau zum Zeitpunkt der Eizellentnahme und den nationalen Gesetzgebungen abhängig.

Die überzähligen Embryonen können „verworfen“, also abgetötet, zum kleinen Teil im Rahmen der umstrittenen Embryonenforschung verwendet werden. Allerdings ist beides in Deutschland aufgrund des Embryonenschutzgesetzes verboten. Damit bleibt in Deutschland nur noch die Möglichkeit, die überzähligen Embryonen (in Deutschland nur im Notfall erlaubt) bzw. die überzählige imprägnierte Eizellen im Vorkernstadium (ca. 16-20 h nach Befruchtung zunächst 2 Vorkerne – jeweils Genmaterial aus Samen-u. Eizelle ) einzufrieren. Dieses Verfahren nennt man Kryokonservierung und umfasst die Einfrierung der Embryonen/Eizellen in flüssigem Stickstoff bei -196 Grad Celsius. Diese eingefrorenen Embryonen/Eizellen können bei einem Misserfolg wieder aufgetaut und für einen weiteren Versuch verwendet werden.