Unter der Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) versteht man in der Medizin die Punktion der Fruchtblase (Amnionhöhle) einer schwangeren Frau für die Untersuchung der im Fruchtwasser befindlichen fetalen Zellen. Die Amniozentese ist eine invasive Untersuchung der Pränatalen Diagnostik (PND).

Möglich ist die Amniozentese bereits ab der 10. Schwangerschaftswoche, ab da spricht man allerdings noch von einer Frühamniozentese. Üblicher ist nämlich der Untersuchungszeitpunkt ab der 13. Woche. Umso früher man die Untersuchung durchführt, umso höher ist das Verletzungsrisiko für das Ungeborene und die Gefahr einer Fehlgeburt steigt an. Durch diese Tatsachen werden Frühamniozentesen nur in besonders dringenden Fällen gemacht oder wenn die Eltern es ausdrücklich wünschen.

Die Entnahme des Fruchtwassers dauert normalerweise zwischen 5 und 15 Minuten. Die Nadel wird durch die Bauchdecke gestoßen und anschließend wird das Fruchtwasser entnommen. Einen großen Schmerz empfinden die meisten Frauen dabei nicht, sodass auf einer Betäubung verzichtet wird.

Nach der Fruchtwasserentnahme müssen die gewonnenen Zellen des Kindes im Labor untersucht werden. Dafür werden sie erst kultiviert, sprich ausreichend vermehrt und anschließend einer DNA- und Chromosomenanalyse unterzogen. Dadurch können Erbkrankheiten oder einige chromosomale Besonderheiten festgestellt werden. Darunter beispielsweise das Down-Syndrom (Trisomie 21), das Pätau-Syndrom (Trisomie 13) oder das Edwards-Syndrom (Trisomie 18). Alle angeborenen Erkrankungen und Behinderungen können allerdings bei der Fruchtwasseruntersuchung nicht festgestellt werden.
Allerdings kann sich ab dem zweite Schwangerschaftsdrittel weitere Kennwerte liefern:

  • Säuregehalt des Fruchtwassers gibt Hinweise auf die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen.
  • Die Menge des alpha-Fetoproteins (Alpha-1-Fetoprotein) gibt mit einer Genauigkeit von etwa 90% Hinweise auf verschiedene Neuralrohrdefekte (vgl. Triple-Test), wobei zur Absicherung stets Untersuchungen mit hoch auflösender Ultraschalltechnik (Feinultraschall, 3D-Ultraschall, 4D-Ultraschall) durchgeführt werden müssen.

Nicht totzuschweigen sind aber auch die Anwendungsrisiken der Fruchtwasseruntersuchung. Bevor die Untersuchung durchgeführt werden kann, müssen die Eltern also erst einmal abwägen, ob sie diese Risiken in Kauf nehmen. So kann eine Amniozentese zu folgenden Risiken führen:

  • Fruchtwasserverlust
  • Blutungen oder Verletzungen der Gebärmutter
  • Verletzung der Plazenta (Mutterkuchen)
  • Infektionen
  • Verletzung des ungeborenen Kindes (entsprechende Ultraschall-Techniken haben das Risiko zwar stark vermindert, durch ein unerwartetes Bewegen des Kindes aber nicht ausschließbar.)
  • Kontraktionen (Zusammenziehen) der Gebärmutter
  • Fehlgeburt (Es gibt verschiedene Quellen für eine Prozentzahl an Fehlgeburten nach einer Amniozentese. Auch spielen unterschiedliche Faktoren (Alter der werdenden Mutter, Schwangerschaftswoche, vaginal Blutungen, …) eine wichtige Rolle für das Risiko einer Fehlgeburt. So gehen die Prozente von 1% bis zu 8 %. Für die eigene Risikoanalyse sollte man auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt sprechen.)

Auch noch Tage nach dem Eingriff kann es beispielsweise zu Fruchtwasserverlust kommen, sodass die Schwangere eine Zeit lang geschont werden soll.